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16.04.2009
Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach
Skurriler Abschluss für Zauberlehrling
Streifzug durch das Lebenswerk Goethes
Mit Goethe in die Osterfeiertage – dazu hatte die Tourismus- und Marketing GmbH in das Haus des Gastes eingeladen. Und zum Streifzug durch das als Zitatenschatz schier unerschöpfliche Werk des Dichterfürsten mit dem Schauspieler und Rezitator Hans Walter Klein hatten sich die Stuhlreihen im Rudi-Müller-Saal gut gefüllt. Rund 120 Gäste folgten Klein zum Oster-Spaziergang mit Faust und Wagner, ließen sich von ihm an erste Begegnungen mit Goethes Versen erinnern oder zu neuen Entdeckungen des vielschichtigen Goetheschen Geistes anstiften.
Der Rezitationsabend lieferte auch Momentaufnahmen aus den verschiedenen Phasen des Lebenswerks. So etwa von der kraftvollen Lyrik des Jurastudenten in seiner Straßburger Zeit, der seiner damaligen Muse Friederike Brion unter anderem das Gedicht „Willkommen und Abschied“ widmete. Klein widmete sich der großen Dichtkunst auch mit Humor, etwa in einer Fassung des Gedichtes von "Edelknabe und Müllerin", die er munter auf sächsisch schwadronieren ließ, oder mit dem "Zauberlehrling", dem er keck einen skurrilen Abschluss verpasste.
Die Auswahl Kleins spiegelte den großen Entwurf des dichterischen Lebenswerks wider. Der Faust, mit dessen Gestalt sich Goethe sechzig Jahre beschäftigt hatte, tauchte auch im zweiten Teil des Goetheabends auf, zu dem neben den berühmten Versen früher Italien-Sehnsucht in Mignons Lied auch Auszüge aus „Hermann und Dorothea“ und „Torquato Tasso“ gehörten.
Ein Abend mit Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe: der Schauspieler und Rezitator Hans Walter Klein rezitierte Verse und spielte exemplarische Szenen aus Goethes Werken.
Wo der Doktor Faustus lebendig wird
Schauspieler Hans Walter Klein mit seinem Goethe-Abend in der Stadthalle Landstuhl am 26.9.2009
(Von Walter Falk)
Keineswegs nur für einen elitären Kreis von profunden Goethe-Kennern war der Goethe-Abend mit dem Schauspieler und Rezitator Hans Walter Klein am Samstag in der Landstuhler Stadthalle. Im Alleingang und mit raffinierten Einspielungen von klassischer Musik des 18. Jahrhunderts machte der in Berlin lebende Mime den Dichterfürsten unter dem Motto „Goethe kommt“ sinnlich erfahrbar.
Eckpunkte der Goethe-Performance bilden die gespielten „Faust“-Szenen aus dem ersten (Monolog im Studierzimmer) und zweiten Teil (Sterbemonolog des Faust), mit denen es dem in St.Wendel geborenen und in Idar-Oberstein aufgewachsenen Schauspieler gelingt, eine Ahnung von Goethes geistiger Weite und bleibender Gültigkeit zu vermitteln. Im schwarzen Gehrock, mit der berühmten seidenen Halsbinde ausgestattet, meint man den leibhaftigen Goethe auf der Bühne wahrzunehmen.
Mit bewundernswerter körperlicher Präsenz und Wandlungsfähigkeit, die einem den Atem anhalten lassen, monologisiert „Doktor Faust“ in seinem Studierzimmer, während im Hintergrund ein schweres Gewitter blitzt und donnert, Nur Kerzenschein beleuchtet die Szene. Faust redet sich in den absoluten Lebensüberdruss. Glockengeläut und Orgelspiel aus Bachs Toccata verhindern den geplanten Suizid. Vogelgezwitscher, Barrett, Schal um den Hals, denn es ist zwar schon Ostern, aber doch noch recht kühl. Faust wirkt erlöst und befreit beim Osterspaziergang, versprüht Optimismus.
Der Sterbemonolog des voller Illusion schwärmenden 100-jährigen, blinden Faust und dessen abruptes Ende leiten die Schlussepisode des Abends ein: Mephistos Flirt mit den Engeln. Hier zieht Klein alle Register komödiantischen Könnens. Wie dieser Teufel um das lüsterne Lächeln eines männlichen Engels buhlt, wie ihn seine Sexualität übermannt, wie er, am Ende übertölpelt, der geraubten Seele Fausts nachheult, das ist allerbeste pechschwarze Komödie.
Lebendig werden auch die Gedichte, die mancher Besucher im Geiste mitspricht. Wildes Hengstgewieher leitet das Gedicht „An Schwager Kronos“ ein. Im „Erlkönig“ zeichnet Klein den schwül-sinnlichen Erlkönig mit wienerischem Melos, den Vater voller Sensibilität und Besorgnis und den Sohn ängstlich-verzweifelt stammelnd und gequält von der „Anmache“ des Fabelwesens.
Durch sparsame, aber wirkungsvoll eingesetzte Kleidungsstücke und Requisiten wird im Handumdrehen die Atmosphäre hergestellt, die für den jeweiligen Text angemessen ist. Zum Teil dialogisch, zum Teil Mädchenstimmen imitierend, ziehen die Liebschaften Goethes vorbei – beziehungsvoll, humorvoll-romantisch, zärtlich-ergreifend, kunstvoll-schlicht. Am eindrucksvollsten aber ist der „Disput der Giganten“ beim „Prolog im Himmel“ (aus „Faust“), wenn der Rezitator mit zwei knallroten, breiten Hosenträgern und roten Hörnchen auf der Stirn den Teufel mimt und gleichzeitig der Gott-Puppe unters prächtige, weiße Gewand greift und hört, was Gott ihm zu sagen hat. Vivaldis Gloria untermalt dabei prächtig diesen geistreich-witzigen Dialog. Überhaupt spielt die musikalische Begleitung eine große Rolle, weil sie mit ihrem Wiedererkennungswert den Genuss der Rezitation steigert.
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